Die Geschichteder Mutter

Am Anfang war ich schon misstrauisch.
Warum macht die Alana jetzt so viel mit ihren Freunden?

Und dann kam sie an und hat gesagt: Mama, ich habe einen Freund, der ist Serbe.

Sie hat mir auch ein Bild von ihm gezeigt.

Und ich habe erst mal gesagt:

Nein, ein Jugoslawe!
Guck mal wie der aussieht!
Der sieht aus als hätte der mehrere Frauen! Alana, das geht nicht. Du weißt, wie das bei uns ist. Unsere Leute hier auf dem Platz sind dagegen. Wir dürfen nicht mit denen.

Und da hat Alana angefangen zu weinen und zu schreien: Mama, das kannst du doch nicht machen! Du kennst den gar nicht! Warum musst du mir das kaputt machen. Jetzt komme ich schon zu dir…und du machst alles kaputt!

Und dann ist Alana erstmal den ganzen Tag abgehauen. Normalerweise ruft ich sie dann an. Aber ich habe sie erstmal in Ruhe gelassen.

Und da hat sie dann zwei, drei Tage nicht mit mir geredet.

Das war sehr schwer für mich. Ich war dann im Zimmer, war am Weinen.

Ja, war ich in der Zwickmühle. Was mach ich denn jetzt? Bei mir ging es im Kopf rum: jetzt ist Alana mit einem Jugoslawen zusammen. Was sagt die Familie dazu? Kriege ich jetzt Ärger, kriegt sie Ärger? Lass ich das zu?
Wer will dann noch was mit uns zu tun haben? Da bin ich ja alleine.

Entweder meine Familie ist weg oder meine Tochter ist weg.
Ja, da musste ich mich entscheiden.

Meine Tochter geht vor.

Khetne Sorles ist eine Selbstorganisation von Sinti:zze und Rom:nja in Köln. „khetne sorles“ bedeutet auf Romanes „miteinander stark”.

Und dann bin ich zu ihr ins Zimmer und hab gesagt:

Das war nicht böse gemeint, aber guck mal. Man hört doch so viel. Der eine schlägt seine Frau. Die Frauen haben nichts zu sagen und so. Da habe ich so meine Gedanken gehabt. Ich habe Angst, dass der dich schlägt.

Und ich hab gesagt:

Alana, liebst du ihn?

Ja Mama.

Nimmst du die Konsequenzen auch mit unserer Familie?

Ja Mama.

Dann ist gut.

Aber ich wusste: jetzt kommt für mich wieder ein Kampf mit den anderen aus der Familie.

So wie früher!

Bei mir war es noch schlimmer. Ich habe zwei Wochen nicht mit meinen Eltern geredet, als sie herausgefunden haben, dass ich einen deutschen Freund hatte und sie deswegen Schwierigkeiten gemacht haben.

Bei mir war es noch schlimmer, weil ich ja keinen hatte, mit dem ich reden konnte. Ich war für mich alleine.

Aber ich hab mich durchgesetzt. Entweder jetzt oder nie. Und später hat die Familie gesagt, ist gut, dann nimm den, Feierabend.

Aber es ist so: Du lebst in zwei Welten. Das ist schwierig, du kannst nicht auf zwei Stühlen gleichzeitig sitzen.

Du lebst in zwei Welten. 
Das ist schwierig – du kannst nicht auf zwei Stühlen gleichzeitig sitzen.

Ich weiß: Ich hab große Vorurteile gehabt. Und das fällt nicht immer leicht zuzugeben.
Aber ich brauche meine Zeit. Ich hab meine Vorurteile abgebaut.

Die Gedanken kannst du ja haben, alles. Aber du musst auch dazu stehen, auch dir selbst verzeihen zu können, dass du solche Gedanken hast.

Schlechte Gedanken hast du immer! Aber du musst der Mut dazu haben und sagen: tut mir leid, Entschuldigung, ich habe da einen Fehler gemacht.

Das ist Kraft.

Ich habe zu den anderen in der Familie am Platz gesagt:
das ist meine Tochter, Ich steh hinter ihr. Ich will, dass mein Kind glücklich ist.

Ihr müsst dem Jungen auch eine Chance geben! Es ist ihr Leben.

Und bis jetzt ist sie glücklich mit dem Lolo. Ich bin froh, dass ich den hab. Das ist ein netter Kerl!

Und wenn ich die beiden jetzt so sehe, dann bin ich happy.

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